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Marxbrüder in Frankfurt: Erinnerungsorte 🗺️ Teil I
Die Brüderschafft unserer Lieben Frauen der reinen Jungfrau Maria und des heiligen und gewaltsamen Himmelsfürsten Sanct Marxen – wie sie in gewisser Ausführlichkeit in der Frankfurter Fechtordnung benannt ist – war mindestens von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis etwa 1525 mit dem Dominikanerkloster der Stadt Frankfurt affiliiert.1
Diese Verbindung werden wir in der ersten Hälfte dieses Artikels erkunden. Im zweiten Teil wenden wir uns dann dem Peterskirchhof nordwestlich des Klosters zu. Dort geschahen Ereignisse, die nicht nur diese Verbindung beenden sollten, sondern auch bis heute in der Frankfurter Stadtgeschichte nachhallen.
Hier sieht man einen Plan der Frankfurter Altstadt wie sie damals aussah, markiert mit den beiden genannten Orten.

Frankfurt an der Schwelle zur Neuzeit
Vom späten Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit hatte Frankfurt etwa 10,000 Einwohner2 und zählte damit zu den mittelgroßen deutsche Städten. Die Bedeutung der Stadt überragte ihre Größe jedoch bei Weitem: Frankfurt diente als Wahlstadt der römisch-deutschen Kaiser und war ab der Mitte des 16. Jahrhunderts der etablierte Krönungsort.
Im Herzen des deutschsprachigen Raums gelegen, war Frankfurt zudem ein wichtiges Handelszentrum mit den Niederlanden, Frankreich und Italien. Dies spiegelte sich in den halbjährlichen Handelsmessen zu Ostern und im September wider, die Ströme von Kaufleuten und Handwerkern aus nah und fern anzogen. Diese Messen waren öffentliche Großveranstaltungen, welche die Einwohnerzahl der Stadt für die drei Wochen ihrer Dauer verdoppeln konnten.3 In dieser Zeit machte die Leute Geschäfte, besuchten Gottesdienste, aßen, tranken, feierten – und fochten. Gerade zu diesen Messen trafen sich die Marxbrüder, eine dezentral organisierte Fechtzunft von Handwerkern.
Zunftanfänge im Dominikanerkloster
Die früheste bekannte Organisationsform der Marxbrüder war eine religiöse Bruderschaft bzw. Konfraternität, die mit dem Frankfurter Dominikanerkloster affiliiert war. Die Frankfurter Fechtordnung in der Handschrift Cod.I.6.2º.5 – besser bekannt unter dem leichter von der Zunge gehenden Namen „Hans-Medel-Fechtbuch“4 – schildert detailliert, wie diese Affiliation aussah. Sie enthält zudem die Regeln, wie man Meister des Schwertes werden konnte, wie ein Hauptmann gewählt wurde und welche Gebühren zu entrichten waren oder welche Strafen bei Verstößen drohten.5

Struktur und Gottesdienste der Bruderschaft
Dieses Kloster war eine alte und angesehene Institution nordöstlich des Stadtzentrums, durch die alte Stadtbefestigung von der Judengasse getrennt.6 Im Gegenzug für Zahlungen an den Orden erhielten die Marxbrüder „prächtige und herrliche“ gesungene Messen zu Ehren ihrer Patrone Maria und Markus. Diese fanden im Chor der Dominikanerkirche statt – die der Jungfrau Maria geweiht war7 – an und um Mariä Geburt in der ersten Septemberhälfte. Dies fiel zugleich in die Zeit des Haupttreffens der Brüder zur Herbstmesse.8 Neben vierteljährlichen gelesenen Messen und einer Allerseelenmesse fand am Tag nach Mariä Geburt eine Seelenmesse für die verstorbenen Brüder statt. Das Kloster beherbergte zudem ein Grab der Bruderschaft (entweder in der Kirche oder im Kreuzgang),9 das der Küster pflegte und mit Kerzen schmückte.

Damit ist deutlich, dass die Schicksale der Marxbrüder und des Frankfurter Dominikanerklosters eng miteinander verflochten waren. Bruderschaften wie diese waren unter Handwerkszünften und anderen bürgerlichen Vereinigungen durchaus verbreitet: Das Kloster konnte damit stabile Einnahmen für den laufenden Betrieb und Investitionen erzielen, etwa für Neubauten oder den Erwerb von Büchern und Kunstwerken.
Auf der anderen Seite konnten die Bürger ihre Mittel bündeln, um ehrenvolle Begräbnisse, Fürbitten für die Verstorbenen und regelmäßige Messen zu finanzieren – für Seelenheil und öffentliches Ansehen. Über diese geistlichen Leistungen hinaus halfen Bruderschaften zudem bei der Absicherung von Gesundheits- oder Rechtskosten ihrer Mitglieder. Um die Verhältnisse greifbarer zu machen, lohnt ein Blick auf die Kosten dieser religiösen Dienste: Die drei feierlichen Messen um Mariä Geburt kosteten 8 Schilling, die vom Hauptmann der Bruderschaft an die Dominikaner entrichtet wurden. Die schlichteren fünf gelesenen Messen kosteten die Hälfte davon.10 Eine gesungene Messe entsprach damit mehreren Tagen bis Wochen Lohn eines Handwerkers.11 Diese Ausgaben verdeutlichen die kollektive Last, die Bruderschaften trugen, um solche Dienste für gewöhnliche Handwerker zugänglich zu machen. Im Gegensatz dazu konnten wohlhabende Frankfurter Patrizierfamilien wie die Hellers und Holzhausens diese Leistungen aus eigener Tasche finanzieren – und taten das auch öffentlichkeitswirksam.
Neue Archivspuren – warum die Zunft älter als angenommen ist
Dem unermüdlichen Wirken des Dominikaners Jacquin etwa drei Jahrhunderte später verdanken wir Rückverweise zu den Marxbrüdern in den Unterlagen des Klosters. Der Prediger, der „viel schrieb […] und niemals müßig war“,12 katalogisierte die gesamte, eindrucksvolle Klosterbibliothek13 und verfasste eine Chronik zur Geschichte des Ordens in Frankfurt. In diesem Succinctum Chronicon Praedicatorum findet sich eine Abschrift eines Liber Animarum mit einer Liste bürgerlicher Bruderschaften und Stifter des Klosters.14 Unter diesen erscheinen auch die Fechter.
Ich hatte die Gelegenheit, diese Quelle selbst im Institut für Stadtgeschichte (ISG) Frankfurt zu untersuchen und kann frühere Befunde bestätigen: Die Markusbruderschaft erscheint am Ende einer Auflistung von 1458 über spendende Bruderschaften, derer man in den Fürbitten der Dominikaner gedenken sollte.15 Neben einem lakonischen „[gedenkt] vor die schirmeyster, die in Sant Marcus bruderschaft sÿnt“,16 bestätigt ein Eintrag von 1476 auch die in der Fechtordnung überlieferte Abfolge der Messen, vermerkt Schwankungen in den finanziellen Beiträgen der Zunft und hält fest, dass – aus wirtschaftlichen Gründen – Messen vom Chor ins Kirchenschiff verlegt oder gesungene Messen in gelesene umgewandelt werden konnten.
Der Text verweist zudem auf alte Vereinbarungen, die der Reform des Dominikanerkonvents von 1474 vorausgingen, was bekräftigt, dass die Bruderschaft älter ist als die oft zitierte erste sichere Erwähnung im selben Jahr,17 und vielleicht sogar älter als der frühere Hinweis von 1458. Weitere Materialien könnten sich in dieser Quelle finden, die ich bislang nur ausschnittsweise studieren konnte – die „succincte“ Chronik umfasst fünf mächtige Codices, dicht beschrieben in Kirchenlatein mit gelegentlichen deutschen Einsprengseln.
👉 Wer diese Arbeit fortsetzen möchte, dem empfehle ich, sich auf das erste Buch (ISG H.13.14, Nr. 16) zu konzentrieren und nach den Schlüsselwörtern „schirmmeister“ oder „dimicatores“ („Kämpfer“) Ausschau zu halten, unter denen die Zunft im Text erscheint.
Mit Schwert und Brezel: Peter Weißkirch – Zunfthauptmann und Bäcker
Um diese Zeit tritt der Gemeine Peter aus Weißenkirchen erstmals in den Frankfurter Quellen auf: Ein Fechter und Bäcker, der sich 1475 die Mittel zur Erlangung des Frankfurter Bürgerrechts von seinen Zunftmeistern lieh – und damit seine einfachen Anfänge hinter sich ließ. Dieser Schritt legte den Grundstein für seinen Aufstieg zum Hauptmann der Marxbrüder und zu einer angesehenen militärischen Führungsperson.

1487 erhielten die Marxbrüder ihr erstes kaiserliches Privileg von Friedrich III.20 Im folgenden Jahr führte Peter Weißkirch Frankfurter Soldaten im Auftrag desselben Kaisers an, um dessen Sohn Maximilian aus der Gefangenschaft flämischer Rebellen in Brügge zu befreien.21 Weißkirchs Wappen – gekreuzte Schwerter unter einer Brezel, flankiert von Sternen – erscheint auf seinen Dienstbriefen,22 ein Sinnbild seines doppelten Lebens als Meisterbäcker und Schwertmeister, verpflichtet, seine Stadt und seinen Kaiser zu verteidigen.

Weißkirch erscheint 1491 als einer der Signatoren der Frankfurter Fechtordnung und wurde 1494–1496 sogar Hauptmann der Marxbrüder.23 Obwohl die Zunft in der Reichsstadt tagte, machte ihre dezentrale Struktur lokale Hauptmänner eher zur Ausnahme als zur Regel. Im letzten Jahr des Jahrhunderts zog der Hauptmann erneut ins Feld – diesmal im Schwabenkrieg gegen die Eidgenossenschaft.24
Weißkirchs Werdegang – der vom Gemeinen zum Bürger diverse Rollen als Bäcker, Fechtmeister und Hauptmann umfasste – zeigt, wie Frankfurts Zünfte ehrgeizigen Neuankömmlingen entscheidende Aufstiegschancen boten.
Die Marxbrüder zwischen Patronage und Macht
Während Weißkirch zeigt, welche Spielräume Zünfte wie die Marxbrüder eröffneten, agierten diese Organisationen in einem breiteren städtischen und religiösen Gefüge. Die Dominikaner, deren Kloster Heimat der Fechter-Bruderschaft war, wandelten diese Bindungen in dauerhaften wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss.
Neben Steuern und Abgaben sicherten die Zuwendungen von Bruderschaften und Patriziern dem Orden stetige Einnahmen. So häufte das Kloster beträchtlichen Wohlstand an: Im späten 15. Jahrhundert wurde der Kirchenchor – in dem die Bruderschaft ihre Messen feierte – im spätgotischen Stil renoviert, mit feinem Maßwerk und kunstvollen Netzgewölben.25 Die Gewölberippen waren farbig gefasst und ruhten auf vergoldeten Kapitellen.26 Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Klosterbibliothek die größte der Stadt,27 und die Kirche mit prächtigen Werken renommierter Künstler ausgestattet.

Der Marienaltar wurde mit Gemälden aus der Werkstatt Hans Holbeins d. Ä. zu einem prächtigen Flügelaltar erweitert. Ein schlichterer der Hl. Anna geweihter Altar – möglicherweise mit gemeinsamen Mitteln der Bruderschaften und damit auch der Marxbrüder finanziert – zog ins Kirchenschiff ein.28


Ihre Beiträge, wenn auch schlichter als die der Patrizier, könnten dennoch heraldische Spuren in der Kirche hinterlassen haben. Die Wappen der Stifter wurden als Schlusssteine in das Gewölbe gesetzt. Zwar habe ich kein Wappen gefunden, das eindeutig auf die Markusbruderschaft verweist, doch ein Beispiel zeigt bemerkenswerte strukturelle Parallelen. Obwohl die Skizze stark schematisiert ist – was das Fehlen von Tinkturen und vielleicht auch von Mähne, Flügeln und Schwert erklärt – bleibt die Grundkomposition erkennbar. Sie entspricht dem Markuslöwen, wie ihn der Marxbruder und Baumeister Hans Keesebrod in seinem persönlichen Wappen führte: Ein halber Löwe auf einem Dreiberg.29

Der Holbein-Altar diente nicht nur als herausragendes Kunstwerk, sondern auch als Propagandamedium. Auf den Außentafeln empfängt der Dominikaner Reginald von Orléans sein Ordensgewand direkt von der Jungfrau Maria – ein eindrucksvolles Bild, das den Anspruch des Ordens auf geistliche Autorität unterstreicht.30 Die Innentafeln der Passion Christi hingegen stellen die jüdische Gemeinde als Hauptaggressoren dar – eine visuelle Stigmatisierung der Bewohner des angrenzenden Ghettos und Ausdruck antijudaistischen Sentiments,31 das unter den Dominikanern wie auch in der übrigen Bevölkerung weit verbreitet war.
Im Jahr 1506 erhielt die Kirche ihren bekanntesten Kunstschatz: einen Flügelaltar aus den Werkstätten keines Geringeren als Albrecht Dürer – der sogar auf dem Mittelbild erscheint – und Matthias Grünewald.32 Der Patrizier Jakob Heller stiftete dieses Stück, das daher als Heller-Altar bekannt ist, und ließ sich und seine Frau in betender Haltung am Sockel porträtieren, flankiert von ihren Familienwappen. Beide wurden später in unmittelbarer Nähe dieses Altars bestattet.

Ich betone diese Ausstattung nicht nur, um zu rekonstruieren, wie der zentrale Versammlungsort der Bruderschaft aussah; sondern auch, weil sie Entwicklungen vorwegnimmt, die bald die Affiliation mit dem Kloster auflösen sollten – Entwicklungen, an denen die Marxbrüder aktiv beteiligt waren.
Diese Patronage und Kunst offenbaren strukturelle Spannungen im frühneuzeitlichen Frankfurt: Patrizier und wohlhabende Kleriker (darunter die Dominikaner) konzentrierten enorme wirtschaftliche und politische Macht. Für gewöhnliche Handwerker – geschweige denn weniger Privilegierte – gab es nur wenige Möglichkeiten für politische Teilhabe oder sozialen Aufstieg. Dass Klöster weitgehend von der Besteuerung ausgenommen waren, stieß auf zunehmenden Unmut bei der schmalen Basis steuerpflichtiger Bürger – darunter sowohl weniger begüterte Handwerker als auch wohlhabendere Zunftmeister.
Zwei Drittel des Frankfurter Rates – des höchsten Regierungsorgans der Stadt – wurden von der patrizischen Elite kontrolliert, darunter Familien wie den Hellers.33 Die wenigen verbleibenden Sitze entfielen auf die zünftigen Handwerker, die jedoch selbst nur einen Bruchteil der städtischen Handwerkerschaft repräsentierten, da nur wenige Gewerke ratsfähig waren.34 Dieses Gefüge sozialer Ungleichheit – verstärkt durch die Ausbreitung reformatorischer Ideen – führte bald zum offenen Konflikt zwischen den Handwerkszünften, dem kirchlichen Establishment und dem Rat.
Intermezzo Digressivo: Hans Talhoffer – auch ein früher Marxbruder?
Bevor wir uns den folgenden Entwicklungen zuwenden, lohnt sich eine kurze Abschweifung35 zu Hans Talhoffer. Für alle, die mit ihm nicht vertraut sind: Talhoffer war ein bedeutender Fechtmeister des 15. Jahrhunderts, dessen illustrierte Fechtbücher bis heute zentrale Quellen der Kampfkunstgeschichte darstellen. Durch gemeinsame Symbolik beleuchten ein neu entdecktes frühes Marxbrüder-Siegel und seine Person die formative Identität der Zunft. Wer dem Hauptstrang der Erzählung folgen möchte oder weniger an Talhoffer und der Ikonographie der Marxbrüder interessiert ist, kann direkt zum nächsten Abschnitt springen.
Wir haben gesehen, dass die Marxbrüder bereits in den 1450er Jahren – vielleicht sogar früher – mit den Dominikanern verbunden waren. Die überlieferte Frankfurter Fechtordnung weist jedoch vor 1491 eine dokumentarische Lücke auf, da der erhaltene Text nur eine spätere Abschrift eines vollständigeren Originals ist, das im Zweiten Weltkrieg bei einem Brand zerstört wurde.36 Dennoch können wir diese verlorenen frühen Aufzeichnungen durch einen Artikel Karl Wassmansdorffs aus dem Jahr 187737 zumindest teilweise erahnen. Er bemerkt, dass Hans Talhoffer der Bruderschaft im Jahr 1482 Geld für das Abhalten von Fechtschulen schuldete – was darauf hindeutet, dass er Mitglied der Zunft war. Ich erwähne das hier, weil die Frage, ob Talhoffer „möglicherweise“ oder „wahrscheinlich“ ein Marxbruder war, nach meinem ersten Artikel zu Diskussionen führte; dieser Beleg spricht für Letzteres.
Darüber hinaus gibt es ikonographische Spuren: Talhoffers Wappen und seine Kette zeigen einen Markuslöwen. Frühere Forschung von Eric Burkart (2014) und Paul Becker (2017) haben bereits auf eine Verbindung zu den Marxbrüdern hingewiesen.38 Doch der Grad der Ähnlichkeit zwischen Talhoffers Wappen und einem neu gefundenen Marxbrüder-Siegel, das diesem auffallend ähnelt, lädt zu einer genaueren Betrachtung ein.

Zunächst zum Etablierten: Der schwarze Schild zeigt eine goldene Krone, die zwei abwärts gekreuzte Schwerter umschließt. Darüber ruht ein bürgerlicher Stechhelm mit schwarz-goldener Helmdecke – ein verbreitetes Motiv, das jedoch bemerkenswert gut zu den Farben der Marxbrüder passt.
Die Helmzier zeigt Talhoffers Hausmarke: eine Peitsche auf einem Andreaskreuz. Ich merke an, dass dies der Hausmarke der Marxbrüder auffallend nahekommt, welche dieselbe Kreuzbasis und Vertikale aufweist, auch wenn die horizontalen Elemente im Detail abweichen.


Am auffälligsten jedoch ist, dass der Schild von zwei Wesen des Tetramorph flankiert wird: Links erscheint ein Adler des Evangelisten Johannes, den frühere Arbeiten mit Talhoffers Vornamen in Verbindung brachten,39 und der sein persönliches Motto trägt: „bedenck dich Recht“.
Rechts sehen wir einen Markuslöwen in einer ungewöhnlichen Pose: Nimbiert, geflügelt und auf allen Vieren – doch nicht ganz geerdet: Die rechte Vorderpranke ist angewinkelt und hält ein langes Schwert nahe der Spitze. Die Klinge und der Knauf ragen schräg nach rechts oben, wie eine übergroße Feder mit ungünstigem Schwerpunkt. Diese Haltung erinnert an die Ikonographie des Lamm Gottes, das häufig ein Kreuz oder Banner in ähnlicher Weise trägt. Soweit mir bekannt, ist diese Darstellung des Markuslöwen einzigartig für Talhoffer – und für die Marxbrüder.40
Die verbliebenen Bestände der Marxbrüder in Frankfurt enthalten ein altes Siegel der Bruderschaft, das offenbar aus dem 15. Jahrhundert stammt.41 Bei genauerer Betrachtung fiel mir die Verbindung zu Talhoffer auf42 und ich machte mehrere Bilder, was die Erstellung des hier gezeigten 3D‑Modells mittels Photogrammetrie ermöglichte.
Mein 3D‑Scan eines Marxbrüder-Siegels (ISG FFM 18.03, Nr. 7), entstanden vor der Wappenverleihung von 1541 und möglicherweise aus dem späten 15. Jahrhundert.43 Navigation per Touch oder Maus.
Das Siegel ist in rotem Wachs innerhalb einer hölzernen Fassung von etwa 5 cm Durchmesser ausgeführt. Eine umlaufende Inschrift in gotischer Minuskel lautet: „unser broderschaft sant mar“. Im Zentrum zeigt das Siegel den Markuslöwen in derselben Pose wie auf Talhoffers Wappen und seiner Kette – auf allen Vieren, mit ausgebreiteten Flügeln, rechter Vorderpranke angewinkelt, ein schräg nach oben gerichtetes langes Schwert nahe der Spitze haltend.
Zusammen mit der Tatsache, dass Talhoffer in den Aufzeichnungen der Marxbrüder als Schuldner erscheint,44 ist diese ikonographische Übereinstimmung zu präzise, um sie als Zufall abzutun. Seine wahrscheinliche Mitgliedschaft zeigt, dass die Marxbrüder öffentliche Persönlichkeiten anzogen (und hervorbrachten) – eine Kontinuität, die den Boden für ihre späteren politischen Verwicklungen bereitete, denen wir uns nun zuwenden.
Jahre im Dunkeln: Was geschah zwischen 1524 und 1530?
Auffälligerweise klafft in der Frankfurter Fechtordnung – die ansonsten alle Hauptmänner und Meister der Marxbrüder von 1490 bis 1566 lückenlos verzeichnet – eine Leerstelle: Nach der Wahl des Hauptmanns Heinrich Persickh aus Heidelberg im Jahr 152445 erscheint kein weiterer Eintrag bis zur Wahl des Frankfurter Bürgers Laux Braun im Jahr 1530. Was geschah in diesen Jahren, das die Geschäfte der Bruderschaft so tiefgreifend unterbrach?
Der Peterskirchhof und die Revolution von 1525
Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?46
Es war der 17. April – Ostermontag – des Jahres 1525: Die Frühjahrsmesse war gerade zu Ende gegangen, und die meisten der angereisten Handwerker und Kaufleute hatten Frankfurt bereits verlassen, um während der Festtage zu ihren Familien zurückzukehren.
Der Aufruhr am Ostermontag
Für die Frankfurter Bürger jedoch nahmen die Ereignisse eine andere Wendung:47 Auf dem Peterskirchhof, einem Friedhof nahe der nördlichen Stadtmauer, hatte sich eine aufgebrachte Menge versammelt. Unter ihnen war vermutlich auch Laux Braun, ein junger Fechter und Kürschner.48 Ihre Forderungen waren weitreichend: grundlegende wirtschaftliche und religiöse Reformen, darunter eine stärkere Vertretung im Rat sowie die Übernahme reformatorischer Positionen.

Der Aufstand war keineswegs aus heiterem Himmel gekommen. Schon im Vorfeld waren Bürger und Klerus wiederholt und mit zunehmender Intensität aneinandergeraten:50
- Frühjahrsmesse 1522: Der Reformator Hartmann Ibach hielt in der Katharinenkirche eine flammende Predigt, in der er die Heiligenverehrung – insbesondere Marias, der Patronin der Marxbrüder – verurteilte und Bruderschaften als bloße Krücken des Klerus darstellte. Er forderte, dass der Reichtum, der in die Klöster floss, stattdessen den Ärmsten zugutekommen solle, was auf „zustimmendes Murmeln“ stieß. Als der Rat dem Druck des Erzbischofs von Mainz nachgab und Ibach auswies, entfachte dies den Unmut der Bevölkerung.51
- Allerseelentag 1524: Ein Kreis „evangelischer Brüder,“ überwiegend Handwerker um den Theologen Gerhard Westerburg, geriet über die Lehre vom Fegefeuer öffentlich in den Streit mit dem Dominikaner-Lektor – ein Vorgeschmack auf die zunehmende Präsenz reformatorischer Stimmen in der Bürgerschaft.
- November 1524: Ein weiterer reformierter Prediger, Dietrich Sartorius, wurde per Dekret des Mainzer Erzbischofs mit Unterstützung Kaiser Karls V. – später Patron des Wappens der Marxbrüder – verbannt, was die Wahrnehmung wachsender Repression in reformatorischen Kreisen verstärkte.
- März 1525: Die Unruhen schlugen in Gewalt um. Der katholische Priester des Kaiserdoms wurde von einer wütenden Menge vertrieben – ein Ereignis, das den Übergang von verbaler zu physischer Konfrontation markierte.
Doch dieser Ostermontag des Jahres 1525 sollte den vorläufigen Höhepunkt dieser Eskalationen markieren: Auf dem Peterskirchhof bewaffneten sich die Aufständischen und machten sich auf, das Dominikanerkloster – noch immer das reichste der Stadt – zu stürmen. In Erwartung eines solchen Angriffs hatten die Mönche ihre Schätze und Bücher versteckt.52 Stattdessen plünderte die Menge die reichlichen Vorräte an Lebensmitteln und Wein,53 während die Zünfte Bürgerwehren entsandten, um die Kontrolle über Stadttore,54 Türme und die Brücke nach Sachsenhausen zu übernehmen.
Am 19. April, zwei Tage nach Ostermontag, weitete sich die Gewalt weiter aus: Ein Mob versuchte, die Judengasse zu plündern – ein Angriff, der nur knapp von den Torwachen abgewehrt wurde.55 Ähnlich zur Kunst der Dominikaner, welche die jüdische Gemeinde für Passion und Tod Christi verantwortlich machte, waren antijudaistische Vorstellungen in der Gesellschaft weit verbreitet. Verschwörungstheorien und Propaganda verstärkten die falsche Vorstellung, das kleine Ghetto beherberge Profiteure der schlechten wirtschaftlichen Lage. Am selben Tag wurden das Liebfrauenkloster und die Häuser mehrerer Domprälaten geplündert.56
Angesichts des Zusammenbruchs der öffentlichen Ordnung versuchte der Rat, die Unruhen in geordnete Bahnen zu lenken. Er überzeugte die Aufständischen, ihre Forderungen zu formalisieren und ein repräsentatives Gremium zu wählen – die „61er“, dominiert von Zunfthandwerkern. Unter ihnen befand sich erneut Laux Braun,57 der fechtende Kürschner.
Laux Braun – Marxbruder und radikaler Revolutionär
Lucas Braun, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Laux“, war ein junger Bürger aus privilegiertem Hause. Als gebürtiger Bürger wurde er Mitglied der Kürschnerzunft – einer der angesehensten Handwerkszünfte Frankfurts. Da sie zu den wenigen Gewerken mit einem festen Sitz im Rat gehörten,58 verfügten die Kürschner über vergleichsweise großen politischen Einfluss. Dennoch verblasste dieser im Vergleich zu den rund dreißig Sitzen in der Hand der Patrizier-Elite.59

Neben seinem Beruf war Braun auch Marxbruder: In den Frankfurter Fechtordnungen taucht er mehrfach als Meister und Hauptmann in den Jahren nach dem Zunftaufstand auf.61 Obwohl die Aufzeichnungen während der Rebellion aussetzen, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass er bereits in diesen Jahren Mitglied war: Nur Meister des Schwerts waren für das Amt des Hauptmanns wählbar, und der Weg zum Meistertitel dauerte Jahre – mit mehreren vorhergehenden Rängen.62
Im Vorfeld des Aufstands schloss sich Braun den Evangelischen Brüdern um Westerburg und dem inneren Kreis der Revolutionäre an. Als Mitglied der gewählten Vertreter der Frankfurter Revolte – der 61er – half er dabei, sechsundvierzig Artikel mit Forderungen an den Rat zu verabschieden. Geprägt von Westerburgs reformatorischem Einfluss,63 griff das Pamphlet die zuvor von schwäbischen Aufständischen verbreiteten „Zwölf Artikel“ auf und erweiterte sie eklektisch. Zu den Ergänzungen gehörten bürgerliche und religiöse Reformen wie die Abschaffung klerikaler Steuerprivilegien, die Unterstellung des Klerus unter weltliche Gerichte und die Auflösung der Klöster.

Geharnischt und mit Handbüchsen, Spießen und Hellebarden bewaffnet, marschierten die Revolutionäre wiederholt durch die Altstadt und zwangen den Rat schließlich, diese Artikel am Samstag nach Ostern, dem 22. April, anzunehmen.64 Nachdem der Rat die Artikel öffentlich vollständig verkündet und ihre Umsetzung zugesagt hatte, forderte er die Aufständischen auf, ihren Bürgereid zu erneuern – die öffentliche Ordnung schien zumindest vorübergehend wiederhergestellt.
Doch die Zugeständnisse reichten einigen nicht weit genug: Von den 61 Vertretern traten am 25. April zehn „Radicalste der Radicalen“ hervor. Wieder gehörte Marxbruder und Kürschner Laux Braun dazu, gemeinsam mit dem Schuhmacher Hans von Siegen und dem Schneider Niclas Wild, genannt „der Krieger“. Ähnlich einer Sittenpolizei durchsuchten sie die Häuser von Klerikern und zwangen diese, ihre Konkubinen auszuweisen. Getrieben von fundamentalistischem Eifer für strengere religiöse Moral drohten sie geschiedenen Paaren mit Verbannung, sofern sie ihre Ehe nicht wieder aufnahmen. Tag für Tag ergänzten oder verschärften die Radikalen bestehende Forderungen unter den sechsundvierzig Artikeln.
Frankfurt im Herzen der Revolution
Es wäre irreführend, diese Revolution als bloßen Protest gegen „die“ Kirche oder „den“ Rat zu deuten oder als einen einfachen Konflikt zwischen Unterprivilegierten und Eliten. Tatsächlich war der Aufstand Teil des größeren „Deutschen Bauernkriegs“ – der, wie diese Geschichte zeigt, weder auf Bauern beschränkt noch im eigentlichen Sinne ein einzelner Krieg war.65 Vielmehr handelte es sich um die größte europäische Erhebung vor der Französischen Revolution, welche die südlichen und mittleren deutschsprachigen Gebiete erfasste und Hunderttausende das Leben kostete. Viele ihrer Beteiligten – darunter auch Laux Braun in Frankfurt – waren zudem vergleichsweise wohlsituiert. Ihre Forderungen waren so vielfältig wie widersprüchlich und umfassten politische, wirtschaftliche und religiöse Motive. Im Epizentrum dieses Aufruhrs entwickelte sich Frankfurt zu einem der wichtigsten urbanen Zentren der Rebellion.66
Anfang Mai gingen Gerüchte um, dass der Weiße Haufen – ein Rebellenheer auf Seiten der Bauern, nahezu so groß wie Frankfurt selbst – plante, gegen die Stadt zu ziehen, um das Haus des Deutschen Ordens zu plündern und ein Massaker an der jüdische Gemeinde zu verüben.67 Während Teile der Bürgerschaft bereit waren, sich mit den Rebellen zu verbünden, warnte der Rat die Zünfte eindringlich vor den schwerwiegenden Folgen: Neben dem drohenden Blutvergießen würde die Stadt den Zorn der Reichsfürsten – und des Kaisers selbst – auf sich ziehen. Die Strafe wäre vermutlich nichts Geringeres als ein Verlust der reichsstädtischen Privilegien (einschließlich der Handelsmessen) und damit wirtschaftlicher Niedergang. Obwohl die Rebellenarmee noch vor Erreichen der Stadt von kaiserlichen Truppen zerschlagen wurde, war die Furcht vor ihrem Anmarsch entscheidend, um die Frankfurter Zünfte wieder auf die Seite des Rates zu bringen.
Ende und Nachwirkungen des Aufstands
Während das vorsichtige Taktieren des Rates die Unruhen allmählich beruhigte, schürten Laux Braun, Niclas Wild und Hans von Siegen weiterhin Widerstand. Am 15. Mai versammelten sie bewaffnete Unterstützer beim Haus von Siegens und stießen beinahe mit Anführern des Rates und ihren Milizionären zusammen.68 Offenbar wurde die Konfrontation durch das diplomatische Geschick eines Ratsherren entschärft.
Doch dieses Wiederaufflammen war nur von kurzer Dauer. Ende Mai hatte der Rat seine Autorität endgültig wiederhergestellt: Er löste die revolutionären Gremien – die 61er und die radikalen Zehn – auf, verbannte den geistigen Anführer Westerburg aus der Stadt und hob die 46 Reformartikel auf.69
Dennoch wirkte die Bewegung in zweierlei Hinsicht nach: Ein neu eingeführter Allgemeiner Almosenkasten leitete ehemalige klösterliche Vermögenswerte (z. B. der Bruderschaften) an die Armen – und besteht bis heute. Gleichzeitig markierte die Einführung zweier reformierter Prediger – Johannes Bernhard und Dionysius Melander70 – den Übergang Frankfurts zum Protestantismus.
Die revolutionären Anführer, darunter Laux Braun, blieben ungestraft71 – zu groß war ihr Rückhalt in der Bevölkerung. Nach der Revolution wurde Braun 1530 Hauptmann der Marxbrüder und bekleidete das Amt drei aufeinanderfolgende Amtszeiten72 – eine außergewöhnliche Dauer, die sein Ansehen widerspiegelt. Unter seiner Führung wurde die Frankfurter Fechtordnung zweimal aktualisiert und er beaufsichtigte die Inventarisierung der Besitzungen der Bruderschaft im Dominikanerkloster.73 Die Gegenstände – darunter kunstvolle liturgische Gewänder, vermutlich Kelche und vielleicht Figuren des Heiligen Markus – wurden 1534 aus dem Kloster entnommen und entweder unter den Brüdern aufgeteilt74 oder dem Almosenkasten übergeben.75
Dies markierte das Ende der Affiliation der Markusbruderschaft mit dem Dominikanerorden und fiel zusammen mit einem allgemeinen Rückgang bürgerlicher Zuwendungen an die Klöster. Zunftaufzeichnungen aus den Jahren nach der Revolution erwähnen auch die Jungfrau Maria nicht mehr, was darauf hindeutet, dass ihr Name aus der Bruderschaft getilgt wurde,76 sobald die Gottesdienste zu ihren Ehren im Dominikanerkloster endeten. 1536 vermerkte Laux’ Nachfolger Blasius Velten, dass er die Zunftlade ohne eine einzige Münze und nur mit „ein paar Schwertern“ erhielt.77 Ob das Geld unter den Brüdern verteilt, in den Almosenkasten überführt oder auf andere Weise verloren ging, bleibt ein ungelöstes Rätsel.

Wenn dir der Artikel gefallen hat und du meine weitere Forschung zu den Marxbrüdern unterstützen möchtest, freue ich mich über eine Spende.
Appendix
Meine teilweise Übersetzung von Cod. I.6.2° 5, fol. 7r f.
Der Text ist in Kursive geschrieben und verwendet einen frühneuzeitlichen fränkischen oder bairischen Dialekt, mit Überschriften in Textura-Schrift.78 Nachdem ich anfangs mit der Transkription Oliver Dupuis’79 gearbeitet hatte, wandte ich mich bald dem Faksimile des Originals zu, das in der Universitätsbibliothek Augsburg steht.80
„Zuerst verfügen wir, wie es alter Brauch ist:81 Dass künftig an allen Freitagen der Fronfasten82 und am Allerseelentag ein durch den Prior bestimmter Konventsherr im Chor des Klosters der Prediger83 in Frankfurt eine Vigilmesse84 hält. Auch soll am Tag nach Mariä Geburt eine Seelenmesse gelesen85 werden für die Seelen unserer verstorbenen Brüder und aller Gläubigen.
Hierfür soll der amtierende Hauptmann der Bruderschaft zur Förderung der Andacht für jede gelesene Messe jährlich 4 Schilling Frankfurter Währung geben, damit diese Messen umso lobenswerter, ehrwürdiger und zur rechten Zeit gelesen werden.
Auch soll der Konvent gemäß jährlicher Konvents- und Klostergewohnheit zum Gedenken Marias an Mariä Geburt86 eine Messe im Chor halten.87 Am Sonntag davor oder danach soll zum Gedenken St. Markus’ und Marias eine herrliche und prächtige Messe gesungen werden. Damit es umso ehrenvoller, lobenswerter und prächtiger mit allem Zubehör eines hohen Festes wird, soll der Hauptmann 8 Schilling für jede solche gesungene Messe geben.
Ebenso soll der Hauptmann dem Küster wie Eingangs erwähnt jedes Jahr 4 Englisch88 Lohn geben für das Anzünden der Kerzen und die Bereitung des Grabes der Bruderschaft und andere Dinge, die ihm nicht gesondert überantwortet werden müssen.“
- Siehe später im Artikel für eine detaillierte Herleitung dieses zeitlichen Rahmens. ↩︎
- Bücher (1886): „Die Bevölkerung in Frankfurt am Main im XIV. und XV. Jahrhundert, social-statistische Studien.“ ↩︎
- Monnet (1999): „German Historical Institute London Bulletin, vol. 21, nr. 2,“ S. 53 ↩︎
- Der kryptische Name ergibt sich aus der Archivsignatur, die wiederum auf der Regalnummer des Manuskripts basiert. ↩︎
- Für weniger mit (frühneuzeitlichem) Deutsch vertraute hat Martin Fabian vor Kurzem eine zugängliche Übersetzung in seinem Buch „Hans Medel’s Fencing“ veröffentlicht. ↩︎
- Anscheinend verärgerte die nahe Nachbarschaft die Mönche: Sie verlangten nämlich, die hergewandten Fenster jüdischer Häuser zu vermauern. Das habe ich beim Erkunden des (exzellenten) Museums Judengasse Frankfurt erfahren, wo es auf einer Tafel neben dem zum Kloster gerichteten Fenster stand. Allen in der Nähe lege ich einen Besuch wärmstens ans Herz. ↩︎
- Weizsäcker (1923), S. 10 ↩︎
- Meine teilweise Übersetzung dieser Ordnung findet sich im Appendix. ↩︎
- Obwohl das Grab in der Frankfurter Fechtordnung erwähnt wird, scheint es bereits im frühen 17. Jahrhundert verschwunden zu sein, da es in einem späteren Verzeichnis der Klostergräber nicht mehr auftaucht. Wir können seinen Standort jedoch anhand der Gräber ähnlicher Bruderschaften erschließen – die Schlosser und Bäcker hatten ihre im Kreuzgang, während die Schützen des hl. Sebastian ihre in der Kirche hatten. Siehe Weizsäcker (1923), S. 106, 133. ↩︎
- Cod.I.6.2º.5, fol. 7v. ↩︎
- Im damaligen Frankfurt entspricht 1 Schilling 9 Hellern (Schneider, 2010), wonach eine gesungene Messe 72 Heller kostete. Ein Zimmermann konnte um 1450 mit etwa 4 Hellern Tagelohn rechnen – vgl. Spies (2008): „Löhne und Preise von 1300 bis 2000.“ Damit ergeben sich Kosten von 18 Tagelöhnen für einen gemeinen Handwerker. Wir können den vier- oder fünffachen Lohn für Kunsthandwerker wie Kürschner und Schmiede annehmen, womit sich immer noch 4 bis 5 Tagelöhne ergeben. ↩︎
- Fischer (2022) : „Jacquin, Franciscus“ In: Frankfurter Personenlexikon. ↩︎
- Powitz (1968): „Die Handschriften des Dominikanerklosters,“ S. XXVII. ↩︎
- Koch (1892): „Das Dominikanerkloster,“ S. 63 f. ↩︎
- Jacquin (c. 1740): „Succinctum Chronicon Conventus Francofurtani Ordinis Praedicatorum,“ S. 168 ff. in ISG FFM, H13.14, Nr. 16. ↩︎
- „vor die schirmeyster, die in Sant Marcus bruderschaft sÿnt” (Jacquin, S. 172). ↩︎
- z.B. auf Wiktenauer. Das dort angegebene Datum bezieht sich vermutlich auf die vollständige Originalfassung der Frankfurter Fechtordnung, die Wassmansdorff 1877 vorstellt – und die im 2. Weltkrieg zerstört wurde. ↩︎
- Ich danke Michael Matthäus vom ISG Frankfurt herzlich für die freundliche Bestätigung der Bildrechte sowohl der Bürgerbuch-Einträge als auch der in diesem Artikel gezeigten Siegel. ↩︎
- Original: „peter von wissenkirchen gemeiner leut son ist bureg wored unt hat sich mit den Beckenmeistern vertragen umb die vii bb viii ß zubezalen arrod[atum] in die sti Joh decollatoni anno xiv lxxv“ Es war schwer, diesen Eintrag zu finden, da das Register auf fol. 121 b verwies. Allerdings wurden fol. 116–139 hinter fol. 188 eingeordnet. Daher zitiere ich die geordnetere gedruckte Seitenzählung. ↩︎
- Siehe die Transkription auf Jens-Peter Kleinaus Blog „Vatternstreich,“ anonym erstellt und von Daniel Burger überarbeitet. Werner Ueberschär – dort ebenfalls als Autor genannt – ließ mich freundlicherweise wissen, dass er die Transkription initiierte, aber danach nicht mehr beteiligt war. ↩︎
- Kleinau (2011): „1488 Peter Weißkirch Captain of the Marxbrüder.“ ↩︎
- Ich fand sein Siegel an einem Konvolut von Dienstbriefen aus dem späten 15. Jahrhundert. (ISG FFM H.02.26, Nr. 1408). Dasselbe Siegel, jedoch in schlechterem Zustand, ist einem Urfehde-Schwur von 1490 beigefügt (H.06.09, 1821). Weitere Dienstbriefe finden sich unter H.02.26, 1409 and H.02.26, 1410. ↩︎
- Cod.I.6.2º.5, fol. 9v f. ↩︎
- Kleinau (2011): „1488 Peter Weißkirch Captain of the Marxbrüder.“ ↩︎
- Schulz (2015), S. 1. Obwohl die Kirche im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde, ist dieser Chor weitgehend erhalten und kann noch besichtigt werden. ↩︎
- Reiffenstein (1871): „Reiffenstein-Manuskript,“ Dominikanerkirche, Band 7, Seite 80, 8. Juni 1871. Herausgegeben vom Historischen Museum Frankfurt. ↩︎
- Powitz (1968): „Die Handschriften des Dominikanerklosters und des Leonhardstifts in Frankfurt am Main,“ S. XVI. ↩︎
- Weizsäcker (1923): „Die Kunstschätze des ehemaligen Dominikanerklosters in Frankfurt a. M.,“ S. 132. ↩︎
- Angesichts der Unvollständigkeit der Skizze lässt es sich nicht mit Sicherheit feststellen, aber es könnte sich auch um einen Bären handeln. ↩︎
- Städel Museum: „Hans Holbein d. Ä. Werktagsseite des Frankfurter Dominikaneraltars, 1501.“ ↩︎
- Städel Museum ↩︎
- Eine Rekonstruktion der Innenansicht von Dürer ist im Historischen Museum Frankfurt zu sehen, die Außenansicht mit Grünewalds Werken im Städel. ↩︎
- Um die Hellers nicht im falschen Licht darzustellen: Sie gehörten tatsächlich zu den wenigen Aufsteigern, die durch Handel zu Vermögen gerieten und damit in die patrizische Elite aufgenommen wurden – ein Fall von sozialer Mobilität, der meist wohlhabenden Kaufleuten und Handwerkern vorbehalten war. Ihr Ausscheiden aus der Patriziergesellschaft nach 1502 unterstreicht jedoch obigen Punkt. ↩︎
- Bücher (1886), S. 87. ↩︎
- Ich danke Elisa Gianni für ihre wertvollen Hinweise zur Wortwahl in der Überschrift dieses Abschnitts. ↩︎
- Hils, Hans-Peter (1985): „Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes,“ S. 175. ↩︎
- Hils, Hans-Peter (1985): „Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes,“ S. 175. Der Hinweis auf die verlorene Frankfurter Ordnung und auf Wassmansdorff erreichte mich über einen Artikel auf Sprechfenster Blog (basierend auf einem Vorschlag von Eric Burkart an den Autor), der mich über Jaquet (2010) zu Hils (1985) und schließlich Wassmansdorff (1877), S. 139 führte. Ich danke Eric Burkart, der sowohl den Brand als auch die Quelle Wassmansdorff im Gespräch freundlich bestätigte. ↩︎
- Mehr zu Talhoffers Leben und seinen älteren Wappen findet sich in diesem Artikel von Paul Becker aus dem Jahr 2020. ↩︎
- Burkart (2014): „Die Aufzeichnung des Nicht-Sagbaren. Annäherung an die kommunikative Funktion der Bilder in den Fechtbüchern des Hans Talhofer“. ↩︎
- Marxbruder Peter Falkner (Hauptmann 1502–1506) zeigt einen ähnlichen Markuslöwen in seinem Fechtbuch von 1495, MS KK5012, fol. 57v. ↩︎
- Ich danke Sabine Kindel für den Hinweis auf die Siegel der Marxbrüder und für ihre Beobachtungen zu den erhaltenen Frankfurter Beständen (ISG FFM, H.18.02 und H.18.03). Die anschließende Interpretation der Verbindung des Siegels zur frühen Bruderschaft und zu Talhoffer stammt von mir. ↩︎
- Nach freundlicher Durchsicht eines früheren Entwurfs dieses Artikels bestätigte Eric Burkart dass er dieselbe Entdeckung unabhängig gemacht und darüber in seiner kürzlich eingereichten Habilitationsschrift geschrieben hat. Ich danke ihm für den Austausch und seine Leidenschaft für das Thema. ↩︎
- Diese Schlussfolgerung basiert auf zwei Punkten: (1) der spätmittelalterlichen Typographie und (2) dem Vorhandensein eines zweiten anhängenden Siegels, welches das 1541 verliehene Wappen zeigt und das daher später datiert sein muss als das hier diskutierte. ↩︎
- Wassmansdorff (1877), S. 139. ↩︎
- Das Pergament ist am oberen Rand von fol. 12v abgeschnitten, wodurch Persicks Wahl unmittelbar und ohne Jahreszahl vermerkt wird. Basierend auf Anthony Reschs Wahl zum Hauptmann im Jahr 1522 und dem üblichen zweijährigen Rhythmus lässt sich Persickhs Wahl für 1524 erschließen. Das passt auch zur rekonstruierten Ereignisfolge unten. ↩︎
- Sprichwort aus dem „Deutschen Bauernkrieg“ (1524–25). Ich möchte Tobias Prüwer danken, der mich im Januar 2025 mit seinem inspirierenden Vortrag und Buch zum Thema darauf aufmerksam gemacht hat: „1525: Thomas Müntzer und die Revolution des gemeinen Mannes“ ↩︎
- Ich bin Michael Matthäus vom ISG Frankfurt dankbar für seinen aufschlussreichen Vortrag über den Frankfurter Aufstand, gehalten während des 500‑jährigen Jubiläums im April 2025. Seine Perspektiven haben Teile dieser Rekonstruktion maßgeblich geprägt. ↩︎
- Es scheinen keine Namensverzeichnisse der Teilnehmer der Unruhen am Ostermontag erhalten zu sein. Laux Brauns spätere Prominenz innerhalb des radikalen Flügels des Frankfurter Zunftaufstands macht seine Anwesenheit auf dem Peterskirchhof wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher. ↩︎
- Ich möchte Beate Dannhorn, Registrarin des Historischen Museums Frankfurt, herzlich danken, dass sie die Bildrechte und Lizenzen zu diesem Stück freundlich geklärt hat. ↩︎
- Soweit nicht anders angegeben, folgt die nachstehende Darstellung bis zum Ostermontag Hock (2001): „Reformation in der Reichsstadt. Wie Frankfurt am Main evangelisch wurde“, S. 3 f. ↩︎
- Schmidt (2022): „Vor 500 Jahren: die erste evangelische Predigt in Frankfurt“, S. 8 ff. ↩︎
- Weizsäcker (1923), S. 30. ↩︎
- Weizsäcker (1923), S. 30. ↩︎
- Kracauer (1875): „Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. (1150–1824)“, S. 287. ↩︎
- Steitz (1875): „Das Aufruhrbuch der ehemaligen Reichsstadt Frankfurt Main vom Jahre 1525“, S. 1. ↩︎
- Frankfurter Verein für Geschichte und Landeskunde (1839): „Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst“, Bd. 12–13, S. 72. ↩︎
- Jung (1888): „Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen der Reformationszeit“, S. 177. ↩︎
- Bücher (1886), S. 87. ↩︎
- Schmidt-Funke (2012), S. 2. ↩︎
- Original: „Lucas Bryn Kursener eins Burgers sons Iuravit den Burger eidt feria quinta post oculi anno xv c xviii“. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das Datum entziffert hatte; wörtlich bedeutet es „fünfter Tag nach Oculi“, also der Donnerstag nach dem dritten Fastensonntag. Ich habe den liturgischen Tag im Kontext der umliegenden Einträge „die mathy“ und „misericordia“ erkannt. ↩︎
- Cod.I.6.2º.5, fol. 12r f. ↩︎
- Talaga (2025): „Who Were the Freifechter? Let’s clarify the number and hierarchy of swordfighting confraternities in late-medieval Germany.“ ↩︎
- Jung (1888): „Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen der Reformationszeit. Nebst einer Darstellung der Frankfurter Belagerung von 1552“, S. 183. ↩︎
- Die folgende Darstellung bis „Frankfurt im Herzen der Revolution“ folgt dem Bericht in Frankfurter Verein für Geschichte und Landeskunde (1839): „Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst“, Bd. 12–13, S. 85 f. ↩︎
- Es ist zudem etwas irreführend, sie „deutsch“ zu nennen, da sie nicht auf das heutige Deutschland beschränkt war. Vielmehr erstreckte sie sich auch über das Elsass, die Schweiz und Österreich. Daher verwendet die jüngere Forschung oft den Begriff „Revolution des gemeinen Mannes“ – was heute vielleicht treffender als „Revolution der gemeinen Leute“ wiedergegeben werden könnte. ↩︎
- Blickle (1981): „The Revolution of 1525: the German Peasants’ War from a new perspective“, S. xx. ↩︎
- Frankfurter Verein für Geschichte und Landeskunde (1839), S. 86 f. ↩︎
- Kriegk (1862): „Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände im Mittelalter“, S. 177 f. ↩︎
- Kriegk (1862), S. 178. ↩︎
- Hock (2001), S. 4. ↩︎
- Zade: „Die Frankfurter Zunftunruhen von 1525.“ ↩︎
- Cod.I.6.2º.5, fol. 12r–12v. ↩︎
- Book (2007): „Die Chronik Eisenberger“, S. 356. Michael Matthäus entdeckte und transkribierte die zugrunde liegende Quelle, verfügbar unter ISG FFM, H.02.01, Nr. 96, fol. 62 r. ↩︎
- Die Inventarliste scheint nicht erhalten zu sein, und die Frankfurter Fechtordnungen vermerken lediglich „liturgische Gewänder und alles, was dazugehört“ (fol. 12v). Wahrscheinliche Inhalte lassen sich aus anderen Bruderschaften mit erhaltenen Aufzeichnungen erschließen, z. B. der Sebastiansbruderschaft (Weizsäcker 1923, S. 107). Frühere Einträge in den Ordnungen erwähnen ein schwarzes, mit Gold und Silber verziertes Gewand von 1504 sowie einen Schild und eine Silberkette von 1498 (fol. 10v), die möglicherweise noch zum Besitz gehörten. ↩︎
- Weizsäcker (1923), S. 21, Fußnote 9. ↩︎
- Danach wird die Zunft nur noch „Markusbruderschaft“ oder „Meister des Schwertes“ genannt (z. B. im Wappenbrief von 1541) oder später in ihrer Wappenvermehrung von 1670 „Meister des langen Schwertes und der militarischen Exercitÿ Kunsterfahrne von St. Marco und Löwenberge“ (RHR Grat Feud Conf. 48‑3‑1). ↩︎
- Cod.I.6.2º.5, fol. 13r. ↩︎
- https://kdih.badw.de/datenbank/handschrift/38/1/1 ↩︎
- http://www.pragmatische-schriftlichkeit.de/Cod.I.6.20.5.html ↩︎
- https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:384-uba002007-6 ↩︎
- Original: „von alter herkomen,“ ein spätmittelalterlicher Rechtsbegriff, der soviel wie „Gewohnheitsrecht“ bedeutet und impliziert, dass diese Bräuche Jahrzehnte alt sind. ↩︎
- Quartalsweise Fastentage nach Hl. Luzia, Aschermittwoch, Pfingsten und Kreuzerhöhung. ↩︎
- Gemeint ist das Dominikanerkloster. Die Dominikaner werden auch „Orden der Prediger“ bzw. ordo predicatorum genannt. Bis zum 2. Weltkrieg hieß die angrenzende Straße auch noch „Predigerstraße“. ↩︎
- Messe am Vorabend eines Kirchenfestes mit Psalmen, Lesungen und Eucharistie. ↩︎
- Zurückgenommene Form der Messe ohne Musik. ↩︎
- 8. September – also um die Zeit der Herbstmesse, zu der die Handwerker nach Frankfurt kamen. ↩︎
- Original: „ein meß im Cor von vnser lieben Frawen,“ was auch „eine Messe im Chor der Maria“ bedeuten könnte. Chor und Hochaltar waren Maria geweiht. ↩︎
- Spezialwährung mit etwas geringerem Wert als Schillinge. 1 Schilling = 9 Heller, 1 Englisch = 7 Heller. Bothe (1906): „Die Entwickelung der direkten Besteuerung in der Reichsstadt Frankfurt bis zur Revolution 1612-1614,“ S. 3–11; zitiert Schneider (2010): „Turnosen, Englische und Heller“ ↩︎
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